Hochbarock auf höchstem Niveau
Die erste Bamberger ChorWeihnacht verzauberte die Erlöserkirche
Zum ersten Mal in seiner Geschichte konzertierte der Bamberger OratorienChor in der Erlöserkirche und hatte sich für diese Premiere ein ganz besonders stimmungsvolles Konzept ausgedacht. Neben Weihnachtsliedern aus Deutschland und dem Baltikum standen vor allem Arcangelo Corellis Weihnachtskonzert und Marc Antoine Charpentiers Messe de Minuit pour Noël auf dem Programm.
Das Konzert begann mit einem a cappella Programm des KammerChor Bamberg, der zum Großteil aus aktiven und ehemaligen Sängern des Bamberger OratorienChores besteht. Gerade die zeitgenössichen Weihnachtslieder aus dem Baltikum beeindruckten das Publikum sehr, insbesondere weil die Mischung mit den barocken Morgenstern-Vertonungen von Michael Praetorius eine reizvolle Abwechslung bot. Die sichere Intonation der Sänger und die gute Akustik in der Erlöserkirche taten ihr übriges zu einem großartigen Klangerlebnis.
Gewohnt sicher intonierte das Orchester des Bamberger OratorienChores anschließend das bekannte Concerto grosso Op.6 Nr.8, das viele adventliche Motive in seinen neun Sätzen aufgreift, vor allem natürlich im optionalen Schluss-Satz, einer „Pastorale“, die in wiegendem Rhythmus und zarten Klängen die weihnachtliche Hirtenszene darstellt. Doch auch die ersten acht, abwechselnd schnellen und langsamen Sätze meisterten die meist jungen Musiker mit Hingabe und setzten Soli und Tutti gekonnt voneinander ab.
Die folgende Messe de Minuit pour Noël besticht dadurch, dass Marc Antoine Charpentier zehn französische Weihnachtsweisen, Noëls genannt, seinem Werk nach der Art der Parodiemessen zugrunde legte. Dadurch gelingt eine nahezu perfekte Synthese zwischen Liturgie und Volkstümlichkeit, allerdings auf allerhöchstem musikalischem und kompositorischem Niveau. Der Bamberger OratorienChor zeigte sich dieser anspruchsvollen Aufgabe mehr als gewachsen und schaffte es eindrucksvoll, die verschiedenen Klangwelten der Noëls in den liturgischen Messetexten umzusetzen. Manchmal kontrapunktisch
verspielt, dann aber auch wieder beeindruckend majestätisch begann die Messe mit Kyrie und Gloria, um bei homophonen Et incarnatus est des Credo einen ersten Höhepunkt zu erreichen. Sicher in der Intonation und mit einfühlsam weicher Stimmgebung verlieh der Chor dieser Kernaussage des Credos die ihr gebührende besondere Bedeutung. Auch in den solistischen Stellen zeigte der Bamberger OratorienChor seine langjährige Erfahrung mit großer Chorliteratur, beispielsweise beim folgenden Crucifixus oder später beim Et in Spiritum Sanctum. Mit Bravour lösten die Sängerinnen und Sänger des Chores den scheinbaren Widerspruch zwischen Herausarbeitung der einzelnen Stimmen und deren Verschmelzung zum lebendigen Gesamtklang auf. Dies gelang auch dann, wenn Charpentier den Sopranistinnen die höchsten Töne abverlangte. Chorleiter und Dirigent Christoph Dartsch, Dozent an Würzburger Musikhochschule und Bamberger Universität, gelang es dabei immer, aus seinen Musikern das Optimum herauszuholen. Mit zielsicherem Gespür für die jeweiligen Besonderheiten und Anfordernisse der einzelnen Stücke verlieh er dem gesamten Konzert seine ganz persönliche, musikalisch feinsinnige Note.
Fast ein bisschen unscheinbar, aber nicht minder beeindruckend endete die Messe mit dem orchestralen lebendigen Dona nobis pacem, gefolgt von einem langanhaltenden Applaus in der gut gefüllten Bamberger Erlöserkirche. Die Begeisterung des Publikums sprang sofort auf den Chor über, der spontan das Weihnachtslied "Es ist ein Ros entsprungen" von Michael Praetorius als Zugabe brachte - ein perfekter Abschluss für einen sehr gelungenen Abend!